Hierhin gehört natürlich die Geschichte, was einen alles erwartet, wenn man für längere Zeit sich hier in Schweden niederlassen will.
Auch als EU-Bürger braucht man für längere Aufenthalte eine residence permit - ich übersetze das einfach mal so grob mit Aufenthaltserlaubnis. Selbige kann man sehr bequem per Internet beantragen. Doch braucht man dazu eine Kopie des Arbeitsvertrages. So schnell geht das aber alles nicht mit der Uni-Verwaltung. Bis so ein Vertrag fertig ist, das dauert seine Zeit. Allerdings sind alle Verwaltungsangestellten der Uni extrem hilfsbereit, und haben mir einen offiziellen Schriebs organisiert, mit der Bestätigung, dass ich hier arbeite. Das ging auch.
Mit Hilfe eines Ausdrucks der Bestätigung, dass ich mich für diese residence permit beworben habe, konnte ich mich nun an die wesentlichste, grundlegendste aller Aufgaben machen: eine Personennummer beantragen! Diese zehnstellige Zahl repräsentiert dich in ALLEN Verwaltungsangelegenheiten, die Schweden zu bieten hat. Ohne diese geht (fast) gar nichts. Ohne diese existiert man nicht so richtig. Ohne diese ist man auch in der ganzen Uni nirgendwo so recht registrierbar. Ohne diese bekommt man keine ID-kort (ID-card, Ausweis), ohne Nummer + ID-kort kein Bankkonto - dachte ich zumindest... Doch dazu später mehr. Ohne all das ist es schwierig seinen Lohn zu kriegen. Ohne Personennummer kommt man auch an keine Wohnung ran, weil man sich überhaupt erst mit dieser Nummer registrieren kann. Usw. usf.
Aber nun weiter. Der Reihe nach. Die Formulare für die Beantragung der Personennummer sind recht kurz und schnell ausgefüllt. Allerdings muss auch hier wieder eine Kopie des Arbeitsvertrages her. (Immerhin: Die Ausstellung des Arbeitsvertrages hängt schlauerweise nicht vom Vorhandensein einer Personennummer ab!!! Bzw. tut sie schon, aber das muss noch nicht die engültige, offizielle Personennummer sein. Dort tut's auch eine vorläufige, die die Uni irgendwie besorgt.) Die Leute im Skatteverket (Steuerbehörde oder so ähnlich) akzeptieren allerdings keinen fast äquivalenten offiziellen Schriebs, dass ich wirklich angestellt bin. Also: warten auf den Arbeitsvertrag. Nach einiger Zeit, nachdem ich auch noch Heiratsurkunde und Samiras Geburtsurkunde mitgebracht hatte, war dann selbiger Arbeitsvertrag fertig. Also sofort ab damit zum Skatteverket mit dem Fahrrad, dass es ja schnell geht. Eine Woche später rufe ich sicherheitshalber nochmal an. "Naja, wir brauchen da noch ein paar Angaben, wo und wie sie wohnen und wie ihre Familie wohnt und so. Wir haben Ihnen die Formulare aber schon zugeschickt!" Die Post bringt die nächsten Tage nichts. Wieder angerufen und darum gebeten, die Formulare in die Uni gefaxt zu bekommen. Ok. Geht los. Ein halbe Stunde später war die Sache geklärt, und ich hatte die ausgefüllten Formulare wieder zurückgefaxt. Nachmittags habe ich dann den Brief mit diesen Formularen mit der Post bekommen... Naja, zu spät. Wieder einige Tage und einen Anruf später kommt dann endlich die langersehnte Personennummer - nicht per Mail, wie wir eigentlich am Telefon ausgemacht hatten, sondern per Post - aber immerhin.
Gleich am nächsten Tag wollte ich nun gleich weitermachen mit
Bürokratie - ID-kort
beantragen, um möglichst schnell an ein Bankkonto zu kommen.
Für den
Novemberlohn war es zwar eh schon zu spät, der musste per Scheck
ausgezahlt werden, aber immerhin könnte ich ja dann wenigstens
selbigen
zur Bank bringen, und müsste ihn nicht mit mir rumschleppen, und
ich
müsste endlich nicht mehr Geld von unserem deutschen Konto abheben
-
das kostet jedesmal 5 € extra!
Ausgestellt werden diese ID-cards sowohl von Banken als auch in
Postfilialen. Da liegt es nahe, gleich zu einer Bank zu gehen... Bank
A: ID-card? Nur mit Konto hier bei uns! Konto? Nur mit ID-card! aha...
Okay, also doch erstmal zur Post. Für die ID-card: dieses Formular
bitte, ein Foto, ein Schwede mit eigener ID-card und extra einem
Ausdruck aus dem Personenregister! Oh, letzteres hatte ich vergessen,
obwohl ich es vorher schon mal gehört hatte. Also am nächsten
Tag
wieder hin - zusammen mit Daniel, der mir freundlicherweise seine
Mittagspause opfert. Erst zur Steuerbehörde, um für ihn den
Personenregisterausdruck zu holen, dann zur Post. "Ja, das ist soweit
in Ordnung. Ihren EU-Pass bitte." Bitte, wie? Das hatten wir so gestern
nicht besprochen... Jetzt kommt die Stelle, wo ich Schuld bin. Ich hab
keinen Pass. Pech für mich. Ich hatte mir in Dtl keinen mehr
machen
lassen, weil eh bald der Biometrie-Pass eingeführt wird - und
sowieso,
wir sind ja in der EU, da wird das Ding schon nicht nötig sein.
Und als
Wissenschaftler muss man irgendwann vielleicht doch mal nach Amiland,
und dort kommt man ohne Biometrie-Pass eh nicht rein. Aber das hatte
ich nicht erwartet.
Gut, also dann nicht. Daniel kennt sich glücklicherweise aus - er ist ja Schwede. Also gehen wir zu Bank B. ID-card? Nur, wenn der mitkommende Schwede auch Kunde bei Bank B ist... Aber Konto: JA! Oh fein! Wer hätte das gedacht? Ein Konto ohne ID-card... Sehr viele schwedische Formulare ("Please sign here...") später war das Konto eröffnet. VISA-Card (ist das Standard-Zahlungsmittel hier): "Erstmal paar Monate abwarten, ob wirklich monatlich Geld auf Ihr Konto kommt. Dann vielleicht. Kostet 250 SEK (ca. 27 €) pro Jahr..." Aha... Anmerkung: Eine Minute vorher hat mir die freundliche Dame beim Ausfüllen eines Formulars geholfen, mit dem ich der Uni meine Bankverbindung mitteilen muss, damit die wissen, wo sie den Lohn hinzuüberweisen haben!
Gut, Konto geschafft. Jetzt hatte uns allerdings der Ehrgeiz gepackt.
Die ID-card kriegen wir jetzt auch noch! Man weiß ja nie, die ist
bestimmt auch mal zu was nütze... Also lieber gleich jetzt. Auf zu
Bank
C. Id-card? Klar doch, kein Problem. aha... Hier war es jetzt kein
Problem, dass ich keinen EU-Pass habe. Und auch kein Problem, dass
weder ich noch Daniel bei denen Kunde waren und ein Konto dort hatten.
10 min später waren auch hier die Formalitäten erledigt. Nur
noch
zahlen, und drei Wochen warten, dann sollte die ID-card abholbereit
sein.
Fazit: Hier macht jeder seins.
Aber ich hab alles Wesentliche - entweder schon in der Hand oder
zumindest beantragt.
Die ganzen weiteren kleinen Hürden auf dem Weg zu einer LiU-card (Uni-Ausweis, der Zugang zu verschlossenen Türen und dem kostenlosen Kaffee-/Tee-/Kakaoautomaten verschaffen soll) waren dann auch schnell ausgeräumt. Ich fand das technisch ganz interessant: Man geht zu einer freundlichen Dame, setzt sich neben deren Rechner, eine (vielleicht etwas) bessere Webcam macht ein Foto und dann rattert nebenan aus einem Kistchen gleich die fertige Karte - mit Foto, der allgegenwärtigen Personennummer, Name, Hologrammen etc. etc. Diesmal nix mit wochenlangem Warten. Allerdings stellte sich auch hier heraus, dass ich eine recht seltsame Karte bekommen hatte. Unser System im Fysikhus, wo ich arbeite, kann damit nicht umgehen, weil die Nummer dieser Karte zu groß ist... Da hat wohl jemand bei der Variablendeklaration in den Programmen nicht aufgepasst... Normalerweise sind diese Karten auch als Bibliotheksausweis benutzbar. Aus unerfindlichen Gründen habe ich eine Karte, bei der das nicht geht. Der aufgedruckte Strichcode ist diesmal zu kurz... Also habe ich jetzt die neue LiU-card, die Alte, die ich gleich zu Beginn bekommen hatte, die wenigstens funktioniert, aber ohne Foto und alles ist. Außerdem noch die exakt identisch aussehende Karte, mit der ich im Restaurang Kårallen das teure Mittagessen bezahle. Und natürlich noch die Extra-Bibliothekskarte. Inzwischen habe ich auch die Bankautomatenkarte bekommen. Aber es fehlen ja noch die VISA-Card und und die ID-card! Noch.
Update 2006-03-12: Inzwischen habe ich auch diese schon längere Zeit! Sogar eine funktionierende LiU-Karte habe ich inzwischen! Alles braucht seine Zeit, aber meistens wird's schon... Und so konnte ich inzwischen also die Zahl der Plastikkarten in meinem Portemonnaie etwas reduzieren. Dafür habe ich mich dafür entschieden, den Führerschein wieder mit aufzunehmen, nachdem ich vor zwei Wochen an der IKEA-Kasse stand und ein Auto ausleihen wollte, um die eben gekauften Möbel nach Hause zu transportieren und merkte, dass ich keinen Führerschein mit hatte... Allerdings war das nicht so schlimm. Ihr einziges Auto war sowieso gerade zur Reparatur. Also nix mit gleich abholen...