Doktorand-Sein in Schweden – oder – Promovieren in Schweden - oder lieber nicht?

Na denne, nun zum Inhalt. Die kurze Antwort auf obengestellte Frage ist: Kommt drauf an. (Wer hätte das gedacht?)

Die nicht-ganz-so-kurze Antwort ist: Hier muss man (viele - ca. 10-15) Vorlesungen besuchen und mit (teilweise echten schriftlichen) Prüfungen bestehen, um diesen Teil anerkannt zu kriegen. Praktika-Betreuung und/oder Seminar-Betreuung gehört genauso dazu - aber das ist ja fast überall so. Und das ist ja auch was Schönes. Aber die Vorlesungen (so gut sie auch teilweise sein mögen), sind schon bissl anstrengend. Da dachte man nun, dass man nach 12 Jahren Schule und fast 5 Jahren Studium diese Art des Frontal-Unterrichts mal abgeschlossen hätte... Aber nein, hier geht's nochmal in die Vollen. Das hält einen echt vom Arbeiten ab.
Was Positives ist dafür, dass man üblicherweise eine volle Doktoranden-Anstellung bekommt.

Natürlich gehört auch hier Unterrichten dazu. Entweder "nur" Praktika betreuen, oder auch Übungen/Seminare halten - je nach Schwedisch-Kenntnissen... ;-) Üblicherweise sind das 10 - 20 % der Arbeitszeit, die einem explizit nicht als Promotionszeit angerechnet werden. D.h., die Promotion dauert hier 4 Jahre plus die Zeit, die man unterrichtet. Und es wird auch echt Buch geführt, wie viel man unterrichtet hat. Man wird also weder übermäßig damit zugekippt, noch zu wenig.

Die Betreuung durch den Prof ist (bei uns) recht umfangreich formell organisiert - jedes Jahr muss ein dreiseitiger Schriebs (studieplan) ausgefüllt werden, in dem festgehalten wird, was man geschafft hat und was die nächsten Ziele sind. Das wird mit dem betreuenden Prof und dem Zweitbetreuer herausdiskutiert. Selbige Zettelei muss noch mit einer dritten Person (Mentor) beratschlagt werden. Zusätzlich gibt's noch ein (sehr gutes, nützliches) Mitarbeitergespräch pro Jahr, in dem man mal so richtig seine Meinung sagen kann... ;-) D.h. meine Chefs haben mal ne Stunde Zeit, die zum großen Teil dafür da ist, mal was andres zu diskutieren als den täglichen (Nicht-)Fortschritt im Labor.

Ach ja, vielleicht sollte man noch hinzufügen, dass die Doktorarbeiten hier anders sind als an vielen deutschen Unis (zumindest was das Fachgebiet Physik betrifft). Hier schreibt man mindestens drei richtige Veröffentlichungen (auf Grund von Inflation und anderer höherer Gewalt ist es momentan üblich 6-7 haben zu müssen) und tut diese einfach zusammenheften, eine Einführung noch dazuschreiben und das ganze Ding als Doktorarbeit abgeben. Also keine Monographie, wo man alles (nochmal) neu schreiben muss. Das verlagert die Schreibarbeit ein bisschen weg vom Ende der Doktorarbeit - das ist ja genau dann, wenn man endlich gelernt hat, anständige Versuche durchzuführen... ;-) Diese Zeit sollte man auch maximal zum Versuche durchführen nutzen...

Ja, mehr liest sowieso niemand. Also Zusammenfassung: Man sei sich im Vorhinein im Klaren, dass einen viel Vorlesungskram erwartet! Ansonsten ist's fein. ;-)